Stadtentwicklung

Seit vielen Jahren verliert die Stadt Hagen an Einwohnern. Jedes Jahr werden durchschnittlich zwischen 1500 und 2000 weniger gezählt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, im Juli 2009, sind es weniger als 195.000.

 

Zum einen ist ein Überschuss an Sterbefällen gegenüber Geburten festzustellen, zum anderen verlassen auch viele unsere Stadt, um sich woanders anzusiedeln. Diesen Verlust an Menschen gilt es mit allen Mitteln abzuwenden, wenn Hagen nicht in absehbarer Zeit den Status eines Oberzentrums verlieren will.

 

Unsere Stadt muss also wieder attraktiver werden. Zum einen, um die Menschen hier zu halten, zum anderen, um neue Bürgerinnen und Bürger nach Hagen zu locken. Dies geschieht am effektivsten durch eine florierende Wirtschaft, die mit einem großen Angebot an Arbeitsplätzen Menschen in die Volmestadt holt.

 

Neben dem Negativtrend bei der Gesamtzahl der Einwohner ist aber auch eine bedenkliche Altersstruktur anzumahnen. Längst ist in Hagen, wie in weiten Teilen der westlichen Industrienationen auch, keine typische Bevölkerungspyramide mehr festzustellen, die für eine gesunde Entwicklung stünde. Die Zahl der Alten steigt relativ zur Zahl der Jungen in immer stärkerem Maße.

 

Was ist zu tun?

Aufwertung der Wohnstruktur

Viele Menschen ziehen weg, weil die Wohnqualität in ihren Vierteln stark zu wünschen übrig lässt. Auch wenn sie weiterhin in Hagen arbeiten, so ziehen sie dennoch ins benachbarte Breckerfeld oder nach Iserlohn.

 

Statt teure Prestigeobjekte wie das Schumachermuseum zu bauen, sollte die Stadt das vorhandene Geld deswegen besser in die Aufwertung der Wohnviertel investieren. Hier mangelt es allzu oft sogar am Nötigsten: Bürgersteige fehlen oder sind vollkommen unzureichend bzw. unsicher. Die Fahrbahndecken der Straßen sind ein Flickwerk aus verschieden tiefen und breiten Schlaglöchern. Parkplätze im Bereich der Wohnhäuser sind oftmals gar nicht vorhanden. Zu allem Überfluss wurden kürzlich auch die Busanbindungen drastisch verschlechtert.

 

Hagen Aktiv regt an, den Selbstbeteiligungsbeitrag der Anwohner drastisch zu senken und die Wohnviertel danach systematisch aufzuwerten. Damit könnten viele Menschen in Hagen gehalten werden.

Wohn- und Gewerbeflächen

Hagen ist geprägt von vielen Leerständen, Baulücken und Industriebrachen, die über die gesamte Stadt verteilt sind.

 

Aufgabe einer zielstrebigen Stadtentwicklungspolitik muss es deswegen sein, diese Lücken zu schließen bevor auf der grünen Wiese neue Gebiete zur Bebauung ausgewiesen und erschlossen werden. Flächenrecycling muss vor Neuerschließung gehen. Vor dem Hintergrund einer immer stärker schrumpfenden Gesamteinwohnerzahl ist es geradezu unverantwortlich immer neue Baugebiete auszuweisen und dafür sogar die letzten frei zugänglichen Sportplätze für die Jugendlichen zu opfern, wie kürzlich mit dem Elmar-Sportplatz am Krähnocken geschehen.

 

Statt Sportplätzen könnte man besser einzelne, schwer zu vermarktende Industriebrachen zur Wohnbebauung nutzen. So fordern etwa 3.000 Hohenlimburgerinnen und Hohenlimburger mit einem von Hagen Aktiv initiierten Einwohnerantrag, dass die alten Industriehallen von Krupp-Hoesch in der Obernahmer abgerissen, der Boden saniert und an dieser Stelle ein Mischgebiet aus Wohnhäusern und Geschäftshäusern entstehen soll. Ähnliches wäre übrigens auch für das VARTA-Gelände in Wehringhausen denkbar.

 

Wenn die Stadt doch einzelne Flächen für eine Bebauung mit Einfamilienhäusern freigibt, dann sollte unbedingt darauf zu achten sein, dass die Gesamtfläche nicht von einem einzigen Investor erworben wird, der diese dann nach seinen Plänen zuschneidet. Allzu oft resultiert dadurch das, was in Hagen in vielen solchen Neubaugebieten zu beklagen ist: Die Häuser stehen viel zu dicht beieinander. Sie dienen dem maximalen Profit des Investors, richten sich aber überhaupt nicht nach den Bedürfnissen der Menschen. Diese stellen nach Einzug schnell fest, dass sie so nah am Nachbarn wohnen, dass man „sich gegenseitig auf den Teller schauen kann“.

 

Das vor einigen Jahren gestartete 100-Einfamilienhäuserprogramm der Stadt Hagen lehrt zudem, dass Neubauflächen nur sehr sporadisch nachgefragt werden. Von den hundert geplanten Häusern sind nach drei Jahren gerade einmal etwa 30 entstanden.

 

Was für die Wohnungssituation gilt, betrifft in ähnlicher Weise auch die Industrieflächen. Auch hier gibt es erhebliche Baulücken bei den bestehenden Flächen, und alte und verlassene Flächen könnten recycled werden. Allerdings muss für die Gewerbeansiedlung auch eine längerfristige Flächenvorhaltung betrieben werden. Vor dem Hintergrund einer nachlassenden Wirtschaftskraft und schwindender Arbeitsplätze ist es dringend erforderlich, dass bei Ansiedlungs-wünschen schnell reagiert werden kann.

Unterzentren aufwerten

Insbesondere die Hasper City, aber auch die Unterzentren in den anderen Stadtteilen, leiden darunter, dass immer mehr eingesessene Läden verschwinden, die dann nicht oder nur äußerst unzureichend durch neue Angebote ersetzt werden. So ist die City in Haspe mittlerweile geprägt von Wettbüros, Billigläden und Spielhallen. Eine offene Drogenszene gepaart mit Straßenkriminalität, macht sich zunehmend breit. Hier besteht unmittelbarer Handlungsbedarf. Diese Entwicklung muss unbedingt gestoppt und die Unterzentren stärker gefördert werden. Die Leerstände hier sind das Resultat der einseitigen Aufwertung der Hagener City durch die „neue Mitte“. Die Politik ist gefordert nun auch Rahmen-bedingungen zu schaffen, die eine Wiederbelebung der Unterzentren bewirken. Das geht z.B. durch die Erweiterung der Fußgängerzonen oder durch deren verbesserte Anbindung an das ÖPNV-Netz. Gleichzeitig muss es aber auch gelingen, neue Läden mit einem weiten Spektrum an Angeboten und einem umfangreichen Sortiment sowie eine abwechslungsreiche Gastronomie in den Unterzentren anzusiedeln. Auf jeden Fall sollten aber die ehemaligen öffentlichen Toiletten wieder in Betrieb genommen werden – und zwar auch in Stadtmitte.